Erfahrungsbericht Ausbildungssuche

Wie die Suche meines Ausbildungsplatzes ablief

Viel zu schnell neigt sich die Schulzeit ihrem Ende zu und wir stehen vor der Entscheidung, was wir beruflich machen wollen. Eine Entscheidung, die sich erst einmal sehr endgültig anfühlt: Welchen Beruf möchte ich für den Rest meines Arbeitslebens ausüben? Im besten Fall bekommen wir während unserer Schulzeit ein oder zwei Mal ein Pflichtpraktikum auferlegt, das uns die Möglichkeit gibt, die Fühler in Richtung Berufsleben auszustrecken.

Das war bei mir zum ersten Mal in der 8. Klasse der Fall: Ich musste mein Sozialpraktikum in einem Seniorenheim absolvieren, eine Erfahrung, die mir außer der Erkenntnis, dass ich nicht für soziale Berufe geeignet bin (was ich schon vorher wusste), nicht viel gebracht hat.

In der 9. Klasse hatte ich mit dem BOGY („Berufsorientierung an Gymnasien“) dann endlich immerhin die Möglichkeit, mir meinen Praktikumsbetrieb selbst auszusuchen. Zu dem Zeitpunkt befand ich mich im naturwissenschaftlichen Zweig eines Sportgymnasiums ohne jedes Talent für Naturwissenschaften oder Sport. Aber Sport war wenigstens keines meiner Hauptfächer. Den Punkt, an dem ich verstand, dass die Wahl für diesen Zweig mir das Genick gebrochen hatte, weil mein Interesse an Naturwissenschaften mein Talent dafür weit überstieg, hatte ich noch nicht erreicht und machte mein BOGY sowie ein freiwilliges, zweiwöchiges Praktikum während der Sommerferien in zwei Apotheken.

Zum Zeitpunkt des freiwilligen Praktikums habe ich geflucht und mich gefragt, was mich eigentlich geritten hatte, ein Drittel meiner wohlverdienten Ferien in einer stickigen Apotheke zu verbringen, während meine Freunde Spaß ohne mich hatten und ich eine 40-Stunden-Woche – ohne Vergütung. Ich habe das Praktikum gehasst, aber rückblickend bin ich froh, es gemacht zu haben, weil es mich daran gehindert hat, später eine falsche Wahl bei einem Studiengang oder Ausbildungsberuf zu treffen.

Nach der 10. Klasse habe ich das Gymnasium und die Vorstellung, einen naturwissenschaftlichen Beruf zu ergreifen, endgültig hinter mir gelassen – zu meiner eigenen Sicherheit und der meiner Mitmenschen. Meine Noten waren in den meisten Fächern mittelmäßig bis schlecht und die Tatsache, dass ich trotz endlosen Lernens einfach keine besseren Noten schrieb, demotivierte mich zunehmend. Meine Eltern brachten mich auf die Idee, ein Berufskolleg zu besuchen, wo ich zwar kein Abitur, aber immerhin die Fachhochschulreife machen könnte. Und so beschloss ich, etwas völlig anderes zu versuchen, brach das Gymnasium ab und startete nach den Sommerferien nicht in die 11. Klasse, sondern ins kaufmännische BK I. So nennt man das erste Jahr am Berufskolleg.

Bis man die Fachhochschulreife hat, dauert es zwei Jahre – und ein Pflichtpraktikum im kaufmännischen Bereich. Weil Lesen schon immer mein liebstes Hobby war, war es für mich naheliegend, die zwei Wochen in einer Buchhandlung zu verbringen. Dieses Praktikum war das erste, das mir wirklich Spaß gemacht und einen Beruf aufgezeigt hat, den ich mir zukünftig vorstellen könnte. Jedoch wurde meine anfängliche Euphorie schnell zunichte gemacht, als mir einige Mitarbeiter der Buchhandlung selbst davon abrieten, diesen Beruf zu ergreifen: schlechtes Gehalt und wenig Perspektiven.

Dennoch hatte mir dieses Praktikum genau den Schubs in die richtige Richtung gegeben, den ich gebraucht habe: Ich wollte im Bereich der gedruckten Medien und des Verlagswesens bleiben und bin so schließlich auf den Ausbildungsberuf der Medienkauffrau Digital und Print gestoßen – nach stundenlangem Vergleichen von verschiedenen möglichen Ausbildungen (allein die IHK führt über 300 anerkannte Ausbildungsberufe an!) in Broschüren und im Internet. Beachtenswert waren dabei Fragen wie: In welchen Unternehmen kann ich später arbeiten? Möchte ich einen Bürojob oder mich lieber kreativ oder handwerklich ausleben? Wie lange dauert die Ausbildung und findet sie schulisch oder dual statt? Mein Weg hat mich letztendlich zu den BNN geführt. Und wohin führt deiner?

 

Abschließend noch ein paar Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung:

  • Tipp #1 Achte auf deine Interessen, aber auch auf deine Talente
  • Tipp #2 Mach Praktika – Erfahrung ist immer gut, auch, wenn man damit einen Beruf ausschließen kann
  • Tipp #3 Sieh dich außerhalb der üblichen Schularten um – zum Beispiel an Kollegs oder Fachoberschulen
  • Tipp #4 Sei immer offen für Neues, du kannst dich beruflich immer weiterentwickeln

*Die gewählte männliche Form dient ausschließlich der Vereinfachung und gilt gleichermaßen auch für Arbeitnehmerinnen und Divers.

sebra/Adobe Stock.